Mit dem Winter kündigt sich die Ski- und Snowboardsaison an. Doch durch den Klimawandel fällt immer weniger Schnee. Skipistenbetreiber setzen deshalb auf Kunstschnee aus Schneekanonen, die jedoch nicht sehr umweltverträglich sind. Ein Wiener Forscherteam arbeitet deshalb seit einigen Jahren an einer künstlichen Schneewolke, die die Schneequalität erhöhen und auch für die Umwelt verträglicher sein soll.

Skifahrer
Um den Wintersport zu erhalten und gleichzeitig die Umwelt zu schonen, kommt in der Skisaison 2019/2020 die „Künstliche Schneewolke“ auf den Markt. © Woodypino / www.pixabay.com

Der steigende Skitourismus stellt Pistenbetreiber vor immer größere Herausforderungen. Um Skibegeisterten eine optimale Grundlage zu bieten, werden Schneemaschinen eingesetzt, die zerstäubte Wassertropfen gefrieren lassen und auf der Piste verteilen. Das Problem: Der Kunstschnee hat eine andere Kristallstruktur, Mineralienzusammensetzung und Dichte als echter Schnee und beeinflusst dadurch den Boden, was wiederrum Flora und Fauna gefährdet. Zudem fällt bei der Nutzung der Schneekanonen ein extrem hoher Energieverbrauch an. Schätzungsweise verbrauchen die Maschinen im Jahr etwa so viel Energie wie 130.000 Vier-Personen-Haushalte zusammen. Ein weiterer Kontrapunkt: Die Maschinen sind nicht sehr effizient. Aus einem Liter Wasser erzeugen sie zwei Kubikmeter Schnee, mit dem acht Quadratmeter Piste mit einer 25 Zentimeter dicken Schneeschicht belegt werden können. Für eine Saison werden für den Kunstschnee um die vier Millionen Kubikmeter Wasser und 20 Millionen kWh Strom gebraucht – das ist beinahe die Strommenge, die beispielsweise das oberrheinische Laufwasserkraftwerk bei Breisach in einem Jahr produziert.

Ein Erfinderteam der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur Wien scheint für dieses Problem eine Lösung gefunden zu haben. Zusammen entwickelten sie die „künstliche Schneewolke“. Der Kunstschnee wird über einen Behälter hergestellt, in dem die physikalischen Gegebenheiten einer echten Wolke simuliert werden. In die „Wolkenkammer“ werden mittels einer Düse Wassertropfen eingestäubt. Die kleinen Tropfen lagern sich auf Eisplatten ab, die sich in dem drei Meter hohen, tetraedrisch geformten Ballon befinden. Es bilden sich Eiskristalle und schließlich „wachsen“ daraus Schneeflocken. Anders als die gefrorenen Tropfen des Kunstschnees besitzen sie eine kristalline Form, sind dadurch leichter und fallen lockerer. Um sie zu verteilen, benötigt man daher keine stromintensiven Schneekanonen. Es genügen kleine Ventilatoren, die den Kunstschnee aus dem Behälter direkt auf die Piste wehen.

Aus einem Liter Wasser lassen sich in der künstlichen Schneewolke 15 Kubikmeter Schnee produzieren. Das ist beinahe das Achtfache einer herkömmlichen Schneemaschine. Um effizient arbeiten zu können, benötigt die künstliche Schneewolke eine Außentemperatur von -5°C. Die Forscher, die als „Neuschnee GmbH“ 2016 ein Patent für ihre Erfindung angemeldet haben, entwickeln derzeit eine Schneewolke, die auch bei wärmeren Temperaturen funktioniert. Zur Skisaison 2019/2020 will die Neuschnee GmbH ihr Produkt das erste Mal auf den Markt bringen.