Ein Mensch kommt nur wenige Tage ohne Wasser aus. Im Vergleich: Ohne Nahrung können es Wochen sein. Nehmen wir zu wenig Wasser auf, machen vor allem die Nieren innerhalb kürzester Zeit schlapp und können keine harnpflichtigen Substanzen mehr abführen. Dies führt zu einer schrittweisen Vergiftung und letztlichen Austrocknung des Körpers, der sogenannten Exsikkose. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass wir über den Tag verteilt genügend Flüssigkeit zu uns nehmen. Doch wie viel Wasser ist angemessen? Und können wir unserem Körper gar zu viel Wasser zumuten?

Mit Wasser gefülltes Glas
Ein Mensch kommt nur wenige Tage ohne Wasser aus. Im Vergleich: Ohne Nahrung können es Wochen sein. Nehmen wir zu wenig Wasser auf, machen vor allem die Nieren innerhalb kürzester Zeit schlapp und können keine harnpflichtigen Substanzen mehr abführen. Dies führt zu einer schrittweisen Vergiftung und letztlichen Austrocknung des Körpers, der sogenannten Exsikkose. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass wir über den Tag verteilt genügend Flüssigkeit zu uns nehmen. Doch wie viel Wasser ist angemessen? Und können wir unserem Körper gar zu viel Wasser zumuten?

Eine pauschale Antwort auf die Frage, wie viel Wasser man eigentlich zu sich nehmen sollte, lässt sich nicht treffen. Am hartnäckigsten hält sich vermutlich die Faustregel, dass täglich zwischen 1,5 und 2 Liter Wasser aufgenommen werden sollen. Die Herkunft dieser Regel ist allerdings wissenschaftlich nicht belegbar, schreibt der Nierenspezialist Heinz Valtin in der Fachzeitschrift „American Journal of Physiology“. Der tägliche Grundbedarf an Wasser beträgt etwa ein Dreißigstel des Körpergewichts oder, anders ausgedrückt, 30 bis 35 Milliliter pro Kilo Körpergewicht. Umgerechnet auf einen 75 Kilogramm schweren Erwachsenen entspräche das etwa 2,5 Liter Wasser pro Tag. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass täglich etwa 0,7 bis 1 Liter Wasser allein durch Nahrung aufgenommen werden, betont Prof. Dr. Helmut Heseker, Professor für Ernährungswissenschaft an der Universität Paderborn und Leiter der Fachgruppe Ernährung und Gesundheit sowie ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Deshalb werden die von der Faustregel empfohlenen zwei Liter Wasser nicht unbedingt benötigt. Viel mehr hängt der Bedarf von Faktoren wie Ernährung, Bewegung und auch dem Körpergewicht ab. Der Neurowissenschaftler Michael Farrell von der Monash University in Melbourne veröffentlichte eine interdisziplinäre Studie im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ zum Thema Wasserhaushalt, und rät in dieser, auf den eigenen Körper zu hören – also nur bei Durstgefühl zu trinken. Das solle reichen, um den Wasserhaushalt in Balance zu halten, so die Herausgeber der Studie. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme glaubt Prof. Dr. Heseker nicht, dass das einsetzende Durstgefühl ein Indiz dafür ist, dass man bereits leicht dehydriert ist. Er meint dazu: „Das Durstempfinden des Menschen ist ein verlässlicher Sinn, der effektiv vor Dehydratation schützt. Trinken über den Durst hinaus ist physiologisch aber nicht notwendig.“ Deshalb rät er davon ab, Flüssigkeit zu sich zu nehmen, bevor das Durstgefühl eingesetzt hat. Der Mensch kann überschüssig zugeführte Flüssigkeiten nämlich nicht speichern. Im Idealfall führt eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr nur dazu, dass die Nieren das überschüssige Wasser sofort wieder ausscheiden. Anders verhält es sich jedoch bei Kleinkindern, älteren oder niereninsuffizienten Menschen. Hier ist das Durstgefühl kein ausreichendes Indiz für einen Flüssigkeitsmangel oder -überschuss. Ebenso neigen einige dazu, ihr Durstgefühl mit Hunger zu verwechseln.

AUCH ZU VIEL WASSER IST UNGESUND FÜR UNSEREN KÖRPER

„Nicht nur zu wenig, auch zu viel Wasser kann dem Körper zu schaffen machen. Gesunde Menschen haben zwar eine sehr hohe Toleranz; die Nieren sind in der Lage, pro Stunde fast einen Liter Wasser auszuscheiden“, so Prof. Dr. Helmut Heseker. Dennoch könne eine akute Wasserintoxikation auftreten, wenn die Nieren durch eine zu schnelle Flüssigkeitszufuhr überlastet werden. Denn: Der körpereigene Salzhaushalt, der je nach Körpergewicht und sportlicher Ertüchtigung unterschiedlich ist, wird auf diese Weise durcheinandergebracht.   Die Natrium- und Salzkonzentration im Blut sinkt deutlich und das überschüssige Wasser strömt in die Blutzellen. Diese schwellen dadurch an – was erst einmal keine Bedrohung für den menschlichen Körper darstellt. Problematisch wird es aber, wenn dasselbe auch im Gehirn passiert. Da der Raum durch den knöchernen Schädel begrenzt ist, kann durch das Anschwellen des Organs Druck entstehen. Dies kann im schlimmsten Fall Krampfanfälle, Koma, Lungenversagen und sogar den Tod herbeiführen.

WIE VIEL WASSER IST DENN NUN GESUND? 

Zusammenfassend bedeutet das: Auch in Sachen Wasser gilt das richtige Maß. Denn nicht nur Dehydrierung kann für den menschlichen Körper gefährlich werden. Auch zu viel Wasser kann ihn belasten. Ein gesunder Mensch sollte also vor allem auf sein individuelles Durstgefühl hören, denn der Körper weiß am besten, was er wann braucht. Es sollte dennoch beachtet werden, dass einige Durst- mit Hungergefühl verwechseln und deshalb dazu neigen, manchmal leicht zu dehydrieren. Dies sollte unbedingt vermieden werden, denn neben der Flüssigkeit sind auch die Mineralien, die im Wasser enthalten sind, fundamental für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Quellen:
Heseker, H.: Trinken, bevor der Durst kommt? Flüssigkeitsbedarf von Sportlern und kritische Betrachtung des Getränkeangebots. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York 2016. S. 22-26
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
Truniger, B.: Die Wasservergiftung. In: Deutsche Gesellschaft für innere Medizin. Springer Link Verlag, Wiesbaden 1974. S. 856-863
http://www.pnas.org/content/113/43/12274