Mit den sommerlichen Temperaturen steigt auch das Bedürfnis der Menschen, sich in das erfrischende Nass zu werfen. Badeseen, Küstengewässer und Schwimmbäder haben in den Sommermonaten Hochkonjunktur. Für letztere gelten strenge Hygieneregeln, doch was ist eigentlich mit Binnen- und Küstengewässern? Auch sie sind Teil unseres Wasserkreislaufs. Wer überprüft sie und welche Qualität haben sie europa- und deutschlandweit?

Mann springt in einen See
Europaweit werden 85,1 Prozent der Badegewässer von der Europäischen Umweltagentur als „ausgezeichnet“ eingestuft. © StephanieAlbert / www.pixabay.com

Für die Überprüfung der Qualität europäischer Badegewässer ist die Europäische Umweltagentur (kurz: EUA) zuständig. Seit 1994 bringt sie jährlich einen Report heraus, in dem sie die Ergebnisse ihrer Untersuchungen von mehr als 22.000 Gewässern präsentiert. „Der Bericht hat zum Ziel, die Europäer bei der Auswahl ihres Badeorts zu unterstützen“, heißt es im Vorwort des Berichts von 2018. Doch nicht nur der Genuss des Menschen steht im Vordergrund, sondern auch dass „unsere Ökosysteme ebenfalls sauberes Wasser [benötigen], um sich entwickeln zu können.“ Somit soll die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse auch direkt zur Verbesserung der als „mangelhaft“ gewerteten Badegewässer führen. Die Bewertungen reichen von „ausgezeichnet“ über „gut“,  „ausreichend“ bis „mangelhaft“. Als Bewertungsrahmen gilt die EU-Badegewässerrichtlinie. Überprüft wird die Anzahl der Keime intestinaler Enterokokken und Escherichia Coli in den entnommenen Wasserproben. Beide können schwere Magen-Darm-Erkrankungen auslösen. Liegen die Keimzahlen weit über den Grenzwerten, wird ein Badegewässer von der EUA als „mangelhaft“ beurteilt. Andere Verunreinigungen in den Gewässern, wie Mikroplastik, werden bis dato noch nicht überwacht.

Effektivere Filtersysteme gegen Verunreinigungen

95,4 Prozent der insgesamt 22.131 überwachten und bewerteten Badegewässer in den 28 EU-Mitgliedsstaaten hielten 2018 die Mindeststandards ein. Der Anteil der als „ausgezeichnet“ eingestuften Gewässer stieg auf 58,1 Prozent, was eine Verbesserung von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Diese Verbesserung ist laut der Europäischen Umweltagentur auf die langjährigen Investitionen in das Abwassersystem zurückzuführen. Der Bau von Kläranlagen und die Entwicklung effektiverer Filtersysteme machen es mittlerweile europaweit möglich, einen Großteil der Verunreinigungen im Abwasser zu eliminieren, ehe sie in große Gewässer abgelassen werden.

Spitzenreiter unter den EU-Ländern ist Zypern. 99,1 Prozent der Badestätten wurden hier als „ausgezeichnet“ bewertet. Malta (98,9 Prozent), Österreich (97,3 Prozent) sowie Griechenland (97 Prozent) folgen. Die Länder mit der höchsten Anzahl an „mangelhaften“ Badegewässern sind Italien, Frankreich und Spanien. 92,7 Prozent der deutschen, badetauglichen Binnengewässer, Flüsse und Seen wurden von der EUA als „ausgezeichnet“ eingestuft. Der EU-weite Durchschnitt der als „ausgezeichnet“ bewerteten Gewässer liegt bei 85,1 Prozent. Somit erzielt Deutschland einen deutlich besseren Wert.

Badegewässer in Deutschland weitgehend keimfrei

Insgesamt wurden in Deutschland 2.289 Badegewässer überprüft. 2.123 davon bescheinigte die EUA eine „ausgezeichnete“, 93 eine „gute“ und nur sechs eine „mangelhafte“ Qualität. Bei den übrigen 40 Badegewässern war der EUA aus diversen Gründen keine Klassifizierung möglich. Laut des Berichts müssen „[a]lle Badegewässer mit ‚mangelhafter‘ Einstufung […] in der folgenden Saison für den Badebetrieb geschlossen werden. Zudem sind Maßnahmen zur Verringerung der Verschmutzung und zur Beseitigung der Gesundheitsrisiken für die Badegäste durchzuführen.“ Ein dauerhaftes Badeverbot muss verhängt bzw. ein Warnschild angebracht werden, wenn ein Badegewässer in fünf aufeinanderfolgenden Jahren als „mangelhaft“ eingestuft wird.

Quellen:
Qualität der europäischen Badegewässer 2018, Europäische Umweltagentur, EUA-Bericht Nr. 3/2019.
https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-gesundheit/qualitaet-von-badegewaessern#textpart-1