„Think outside the bottle“, heißt es nicht nur beim Trinken von Leitungswasser, sondern auch bei dem britischen Start-up „Skipping Rocks Lab“, das seit 2014 fleißig an einer Alternative für Plastikverpackungen aller Art arbeitet. Das erste Produkt des 17-köpfigen, internationalen Teams ist eine essbare Kugel, gefüllt mit Trinkwasser. Bereits im vergangenen Jahr wurden die abbaubaren „Oohos“ auf dem London Marathon eingesetzt, wodurch tausende Plastikbecher und -flaschen vermieden werden konnten. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer plastikfreien Zukunft.

Marathonläufer
Um Plastikmüll auf Großveranstaltungen zu vermeiden, entwickelt ein Londoner Start-up spannende Alternativen aus Braunalgen. © hbieser / www.pixabay.com

Bei einer Großveranstaltung wie einem Marathon oder einem Festival werden tausende Plastikbecher und -flaschen verbraucht. Oft nur für wenige Sekunden in Verwendung, werden sie achtlos weggeworfen. Ein Start-up aus London hat dieser Vermüllung nun den Kampf angesagt. Mit der Hilfe von Investoren und dem Imperial College London entwickelte „Skipping Rocks Lab“ innerhalb von zwei Jahren essbare und natürlich abbaubare Wasserbeutel mit einer Algenmembran. „Notpla“ nennt das Team aus Ingenieuren, Chemikern, Designern und Unternehmern die innovative Verpackung, die zu 100 Prozent aus Braunalgen und anderen Pflanzenbestandteilen besteht. Mittels Kalziumchlorid lässt sich Trinkwasser in portionierten Mengen in das Algentütchen einschließen.

Algenmembranen umschließen Trinkwasser

Das Prinzip stammt aus der Molekularküche und basiert auf einer chemischen Reaktion, der sogenannten Sphärifikation. Im Falle der „Oohos“ wird das aus den Braunalgen gewonnene Natriumalginat mit dem Wasser, das anschließend getrunken werden soll, gemischt und danach in kleinen Portionen abgeschöpft. Diese Portionen werden in ein Kalziumbad gegeben. Das „Notpla“ und das Kalziumchlorid reagieren anschließend miteinander und bilden eine Gelstruktur aus, die das restliche flüssige Wasser umschließt und vor äußeren Einflüssen abdichtet. Derzeit werden die „Oohos“ mit einem Fassungsvermögen von 20 bis 250 Milliliter Flüssigkeit produziert. Zwei Algenmembranen schützen das wertvolle Gut: Die äußere Hülle wird vor dem Verzehr entfernt, die innere kann entweder mitgegessen oder geöffnet und kompostiert werden. Für Menschen ist die Algenmembran vollkommen geschmacksneutral.

Aufsehen erregte „Ooho“, als die Organisatoren des London Marathons 2018 an einer Station ihren Athleten die kleinen essbaren Wasserbeutel ausgaben. Mehr als 30.000 „Oohos“ verteilten die Helferinnen und Helfer an diesem Tag an die Marathonteilnehmerinnen und -teilnehmer. Auch auf Festivals kamen die Wasserkugeln bereits zum Einsatz: Herstellbar auch aus Alkohol oder Saft sind sie nach Aussage der Erfinder ideal für solche Anlässe. So kann in Zukunft womöglich beim Genuss von Trinkwasser irgendwann gänzlich auf Plastik verzichtet werden. Gerade bei Großereignissen, bei denen die Bereitstellung von großen Mengen an Getränken notwendig ist, bietet das Team von „Skipping Rocks Lab“ neben Edelstahl- und Glasflaschen eine echte Plastik-Alternative.

Darüber hinaus arbeiten die Tüftler bereits an anderen Produkten. Derzeit entwickeln sie versiegelbare Folien, in denen trockene Lebensmittel, aber beispielsweise auch Kosmetika verpackt werden können. Auch Netze und Beschichtungen für Kartons entstehen gerade in den Laboratorien – natürlich alle aus Braunalge. Mehr als 900 Investoren unterstützen die Tüftler inzwischen dabei, ihre große Vision von einer plastikfreien Welt Realität werden zu lassen.