Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser in Deutschland ist seit 1990 um gut 24 Liter gesunken. 2013 stieg der Verbrauch zwar wieder leicht, pendelt sich seit 2015 jedoch bei etwa 123 Liter pro Person ein. Im globalen Vergleich ist das ein durchaus vorzeigbares Ergebnis – hätte sich in der gleichen Zeit nicht der weltweite Wasserverbrauch versechsfacht. „Daran hat auch Deutschland seinen Anteil“, betont Wasserexpertin und ICon-Gründerin Dr. Monique Bissen.

Fütterung einer Kuh
Für die Erzeugung von Lebensmitteln wie Milch und anderen landwirtschaftlichen Produkten wird weltweit am meisten Wasser verbraucht. © filmbetrachterin / pixabay.com

Die Erdoberfläche ist zu rund 70 Prozent mit Wasser bedeckt. In Summe sind das gut 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Der überwiegende Anteil des Wasservorkommens ist jedoch Salzwasser. Nur etwa drei Prozent sind Süßwasser und für Mensch sowie Tier nutzbar. „Als Süßwasser wird Wasser bezeichnet, das eine Salinität von unter 0,1 Prozent, also einen sehr geringen Salzanteil, aufweist“, erklärt Dr. Monique Bissen. Das meiste Süßwasser ist in Eis und Gletschern sowie in Grundwasservorkommen gebunden. Ein sehr geringer Anteil befindet sich in Flüssen, Seen, Sumpfwasser oder Bodenfeuchtigkeit.

LANDWIRTSCHAFT VERBRAUCHT 70 PROZENT DES SÜSSWASSER

Jährlich werden auf der Erde etwa 4.000 Kubikkilometer Frischwasser aus den vorhandenen Süßwasserressourcen entnommen und auf drei Sektoren aufgeteilt: Landwirtschaft, Industrie und Kommunen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung hat sich seit 1930 der weltweite Wasserverbrauch versechsfacht. Gründe dafür sind die wachsende Weltbevölkerung sowie der steigende Wasserbedarf von Landwirtschaft und Industrie. Allein die Landwirtschaft verbraucht etwa 70 Prozent des verfügbaren Süßwassers, während die Industrie 20 Prozent und die Kommunen mit ihren Haushalten zehn Prozent nutzen.

Nach einer Studie der „Food and Agriculture Organization of the United Nations“ von 2016 befinden sich Indien, China, die USA, Pakistan und der Iran unter den Top 10 der Staaten, die weltweit am meisten Wasser entnehmen. Auf die ersten drei produktionsstarken Staaten (Indien, China und die USA) entfallen gut 47 Prozent des gesamten Süßwasserbedarfs.

2017 nutzten die Menschen in Deutschland nach Angabe des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft im Schnitt rund 123 Liter Trinkwasser am Tag, d.h. 44,9 Kubikmeter im Jahr. Für die Körperpflege werden davon etwa 36 Prozent verbraucht, für die Toilette gut 27 Prozent. Lediglich drei bis vier Prozent des „Haushaltswassers“ werden getrunken oder fließen in die Zubereitung von Nahrung. Im Jahr 2018 stieg dieser seit zehn Jahren etwa gleichbleibende Wasserverbrauch auf durchschnittlich 127 Liter. Grund hierfür war der Rekordsommer.

VIRTUELLES WASSER IN DER REALITÄT

Das Umweltbundesamt stuft Deutschland mit gut 188 Milliarden Kubikmeter verfügbarem Grund- und Oberflächenwasser als wasserreiches Land ein. In der Gesamtbilanz eines jeden Einzelnen in Deutschland ist nicht nur der direkte Wasserverbrauch vor Ort zu berücksichtigen. Insgesamt beträgt der individuelle Wasserfußabdruck eines jeden Deutschen laut Umweltbundesamt rund 3.900 Liter am Tag. „Dieser Verbrauch entsteht in der Produktion von Lebensmitteln, Textilien und anderen Gütern. Meistens bekommen wir nichts von diesem immensen Wasserverbrauch mit“, erklärt Dr. Monique Bissen. Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelte deshalb in den 1990er-Jahren das Konzept des „virtuellen Wassers“, in welchem die Wasserentnahme für Exportgüter nicht dem Produktionsland zugerechnet wird, sondern den Verbrauchern.

Durch den eigenen Lebensstil bildet somit jeder Mensch ein individuelles Profil seines direkten und indirekten Wasserverbrauchs. Jeder kann während des Einkaufs den eigenen „Wasserfußabdruck“ vermessen. Beim Kauf eines Mikrochips schlagen etwa 32 Liter auf die tägliche Wasserbilanz, bei einem Hamburger sind es mehr als 2.400 Liter. Die Produktion eines Liters Milch verbraucht durchschnittlich etwa 700 Liter Wasser. Weltweit entfallen alleine auf die Milchproduktion sieben Prozent, auf die Produktion von Fleisch etwa 22 Prozent und auf die Getreideproduktion rund 27 Prozent des insgesamt genutzten Süßwassers. Diese globalen Zahlen zeigen jedoch nicht auf, wie viel Wasser den Produktionsländern tatsächlich für die eigene Versorgung bleibt, nachdem der Anteil für die Produktion von Exportgütern abgezogen wurde.