Die Verschmutzung der Weltmeere stellt nicht nur für Meeresbewohner, sondern auch für Menschen eine tödliche Gefahr dar. Mit Hilfe von Innovationen, die an verschiedenen Punkten des Müllkreislaufs ansetzen, soll es gelingen, die Meere vom Müll zu befreien. Ein Zwischenfazit.

Spielzeug Plastikboot am Strand
Der Plastikflut Herr zu werden ist kein leichtes Unterfangen. Doch viele Umweltschützer lassen sich davon nicht entmutigen. © Cairomoon / www.pixabay.com

Die größte Müllhalde der Welt liegt nicht auf dem Festland, sondern im Meer: 1,6 Millionen Quadratmeter groß – etwa viermal so groß wie Deutschland – ist der Great Pacific Garbage Patch. Ein Wasserwirbel unter der Meeresoberfläche zieht alles in die Tiefen des Nordpazifik, was der Mensch unachtsam wegwirft. Diese und andere Müllhalden in den Meeren wachsen täglich weiter an. Um die Vermüllung zu stoppen und die Meere zu reinigen, haben verschiedene Organisationen und auch Privatpersonen innovative Konstruktionen entwickelt – mit mehr oder weniger Erfolg.

The Ocean Cleanup

Den wohl bekanntesten Versuch, Plastikmüll aus den Ozeanen zu fischen, startete der Niederländer Boyan Slat mit seinem Projekt „The Ocean Cleanup“. Sein Ziel war es, ein System zu entwickeln, das in Meeresdriftströmungswirbeln mit großer Mülldichte eingesetzt werden kann. Dabei liegt ein 600 Meter langer Schwimmer in V-Form auf der Wasseroberfläche und bildet ein künstliches Ufer, an dem sich Plastikmüll durch die Strömung ansammelt. Von dort sollte er eingesammelt und an Land recycelt werden.

Doch das Projekt scheiterte bereits zwei Monate nach Inbetriebnahme der Konstruktion im Nordpazifik: das 18 Meter lange Endstück löste sich von der Anlage. Der Schwimmer musste unverrichteter Dinge zurück an Land geschleppt werden.

Die Reinigungs-Katamarane

Damit Plastikmüll gar nicht bis ins Meer gelangt, hat die Organisation „One Earth – One Ocean” das Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ entwickelt. Zwei spezielle Katamarane mit den Namen „SeeKuh“ und „SeeHamster“ sammeln in asiatischen und deutschen Küstengebieten, Flüssen, Flussmündungen und Binnengewässern den Müll von der Wasseroberfläche.

Die im Vergleich zum „SeeHamster“ etwas größere „SeeKuh“ hat neben ihrer Müllsammelfähigkeit auch ein kleines Forschungslabor an Board. Dadurch ist es möglich, gleich vor Ort Wasserproben mit einem Infrarotspektrometer auf Kunststoffe zu untersuchen. Auf diese Weise erforscht das Team rund um „One Earth – One Ocean“, welche Kunststoffarten als Kleinstpartikel in den Meeren schwimmen.

Die „Maritime Müllabfuhr“ soll künftig ferngesteuert und mit regenerierbaren Energien betrieben werden. Außerdem ist geplant, ab 2021 mit dem „SeeElefanten“ ein Schiff in den Einsatz zu schicken, auf dem direkt an Board recycelt werden kann. Ziel ist es, aus dem gesammelten Kunststoff Heizöl, Energie und wiederverwendbares Plastik zu gewinnen.

Der Meermülleimer

Vor allem in Häfen sammelt sich durch die natürliche Strömung und die tägliche Nutzung Müll an, der zwischen Booten und an Hafenkanten treibt. Genau dort kann der Meermüllschlucker eingesetzt werden, den die zwei Australier Andrew Turton und Pete Ceglinski entwickelt haben.

Der gelbe Mülleimer treibt wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche und saugt mithilfe einer Pumpe die dort schwimmenden Abfälle in den innenliegenden Sammelbehälter. Ist genug Müll gesammelt, kann der Behälter geleert und das Treibgut sortiert und recycelt werden. Sogar Mikroplastik mit einer Größe bis zwei Millimeter kann aus dem Wasser gefiltert werden.

Mr. Trash Wheel

Der Hafen-Vermüllung hat sich auch John Kellett angenommen: Seit 2014 treibt im Hafen von Baltimore eine Maschine, die wie eine plastikfressende Raupe aussieht und mithilfe eines Laufbandes Müll aus dem Hafenbecken in ihr Inneres schaufelt. Der Roboter namens „Mr. Trash Wheel“ wird durch ein Wasserrad und die natürliche Strömung angetrieben, daher der Name. Zusammen mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach verfügt die Maschine über ausreichend Energie für den dauerhaften Betrieb.

Mit dem eingesammelten Müll wird schon heute an Land elektrische Energie durch Verbrennung gewonnen. Seit dem Start im Mai 2014 hat der Müllbagger bereits mehr als 753.000 Plastikflaschen, 920.000 Kaffeebecher, 10 Millionen Zigarettenstummel und vieles mehr gesammelt.

Im Kampf gegen Plastikmüll

Bei geschätzt 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren leisten diese Ansätze einen wichtigen Beitrag, um die Müllmenge wieder zu reduzieren. Bis jetzt kann jedes dieser Projekte aber nur punktuell Abhilfe schaffen. „Entscheidend bleibt: Wir müssen den alltäglichen Einsatz von Plastik verringern, im Idealfall ganz vermeiden“, betont Dr. Monique Bissen, Geschäftsführerin der ICon GmbH & Co. KG. „Das ist der einzige Weg, das Wachstum von Müllbergen zu stoppen – ob an Land oder im Meer. Nur so haben Aufräum-Technologien langfristig eine Chance, gegen die bereits erfolgte Verschmutzung anzukommen.“