Eine Pilotstudie des österreichischen Umweltbundesamts und der Medizinischen Universität Wien legt nahe: Mikroplastik ist im Menschen angekommen. Auf Basis der im Oktober 2018 veröffentlichten Ergebnisse sollen nun weitere Studien folgen. Noch können wir nur erahnen, was Mikroplastik mit unserem Körper und unserer Gesundheit anstellt. Sicher ist: Der Wasserkreislauf spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie Mikroplastik in unsere Organe gelangt.

Kinder spielen mit Plastikprodukten
Unser Alltag ist voll von Plastikprodukten. So ist es nicht verwunderlich, dass sie in Form von Mikroplastik einen Weg in unser Inneres gefunden haben. © Meghan Thompson / www.unsplash.com

Der Begriff Mikroplastik beschreibt winzige Kunststoffpartikel, die nicht größer als 5 Millimeter und nicht kleiner als 0,001 Millimeter sind. Mikroplastik entsteht beispielsweise, wenn Plastikmüll in das aquatische System, also in den Wasserkreislauf, gelangt. Durch Einwirkung von UV-Strahlen, Wind und Wellen zerfällt er in immer kleinere Partikel, ohne sich ganz zu zersetzen.

Mikroplastik bildet sich außerdem durch den Gebrauch von kunststoffbasierten Alltagsgegenständen. Die Hauptquelle für das sogenannte sekundäre Mikroplastik ist der Abrieb von Autoreifen. Auch beim Waschen von synthetischen Textilien lösen sich winzige Kunststofffasern, die über das Abwasser in den Wasserkreislauf gespült werden. Kläranlagen sind nur bedingt in der Lage, Mikroplastik aus dem Abwasser herauszufiltern. Auf diese Weise gelangt es auch in unser Grundwasser oder über Flüsse hinaus ins Meer.

Primäres Mikroplastik bezeichnet industriell hergestellte Kunststoffgranulate oder -pellets, die unter anderem in der Kosmetik zum Einsatz kommen oder zu Plastikprodukten weiterverarbeitet werden. Auch diese Form von Mikroplastik kann durch Transportverluste oder den täglichen Gebrauch von Duschpeelings, Zahnpasta und Co. in die Umwelt gelangen.

Mikroplastik in unserer Nahrung

Ist das Mikroplastik erst einmal in der Umwelt, ist der Weg bis zu unseren Tellern nicht mehr weit. In verschiedenen Studien wurden Mikroplastikpartikel im Magen-Darm-Trakt von Muscheln, Krebstieren, Fischen und sogar im Luxusgut „Fleur de Sel“ nachgewiesen. So erreicht das Mikroplastik direkt oder indirekt über die Nahrungskette unser eigenes Verdauungssystem.

Nicht nur von marinen Quellen geht ein Kontaminationsrisiko für den Menschen aus. Diverse Studien und Medien berichten von Mikroplastik in Milch, Honig, Bier und sogar in der Luft. Beispielsweise wies eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ in Stichproben von drei Plastik-Wasserkochern winzige Partikel nach, bei denen es sich mutmaßlich um Mikroplastik handelt. Der Verdacht liegt nahe, denn in Gegenproben aus einem Glas-Wasserkocher zeigten sich im Labor weniger Rückstände.

Auch Mineralwasser ist längst nicht mehr plastikfrei. Laut einem Bericht der Stiftung Warentest vom Juni 2018, konnte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe bei Untersuchungen von 34 Mineralwässern winzige Kunststoffteilchen in den entnommenen Proben nachweisen. Das Wasser aus Mehrweg-PET-Flaschen enthielt besonders viele Kunststoffpartikel. Für die Forscher ist damit klar, dass Mikroplastik weite Teile unserer Alltagswelt durchdringt.

Forschungen zur Toxizität von Mikroplastik

Wissenschaftler, darunter Prof. Dr. Edmund Maser vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel, gehen derzeit davon aus, dass Mikroplastik selbst nicht toxisch ist. Jedoch vermuten die Forscher, dass die unpolare und hydrophobe, d.h. wasserabweisende Eigenschaft von Mikroplastik ein Problem sein könnte. „Plastikpartikel wirken eventuell wie ein Schadstoffmagnet. Nehmen wir Mikroplastik auf, könnten auch daran anhaftende Giftstoffe in unseren Körper gelangen“, erklärt Dr. Bissen. Nicht nur Schadstoffe lagern sich an den Plastikpartikeln ab, es kann sich auch ein mikrobieller oder pflanzlicher Belag auf dem Material bilden. Der so entstehende Biofilm hält zwar Schwermetalle und Pestizide ab, doch kann er potentiell Krankheitserreger enthalten.

Kritische Ergebnisse liefern auch Untersuchungen von Meeresbewohnern, die mit Mikroplastik kontaminiert sind. Laut Informationen der Umweltorganisation Greenpeace zeigten sich beispielsweise im Laborexperiment bei Wattwürmern, die PVC-Partikel verschluckt hatten, starke Gewebeveränderungen und Entzündungen. Bei ihnen wurde außerdem ein verringertes Wachstums-, Fortpflanzungs- und Bewegungsverhalten festgestellt.

Vergleichbare Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Mikroplastik auf den Menschen fehlen. Und so gibt es auch keinen Grenzwert für Mikroplastik in Trinkwasser und anderen Lebensmitteln. Dr. Bissen resümiert: „Es liegt an uns, uns zu schützen.“