Plastikmüll vermeiden, Kontrollen und Qualitätsstandards für Trinkwasser erhöhen – mit diesen und weiteren Maßnahmen will die EU-Kommission in einer neuen Trinkwasser-Richtlinie sauberes Leitungswasser garantieren. Künftig soll das Wasser auf 18 weitere Schadstoffe geprüft werden und nicht nur das Wasser selbst, sondern auch die Aufbereitung und Herstellung soll strengeren Kontrollen unterliegen. Allerdings: Bindend ist die Richtlinie für die Mitgliedsstaaten nicht.

Wasser aus der Leitung
Mit einer neuen Richtlinie will die EU-Kommission sauberes Trinkwasser garantieren. © istockphoto.com/courtneyk / istockphoto.com

Erstmals seit 20 Jahren stand Leitungswasser auf europäischer Ebene wieder zur Debatte. 1998 trat die EU-Trinkwasserrichtlinie in Kraft, am 1. Februar 2018 beschloss die Europäische Kommission nun, die Richtlinie zu aktualisieren und die Qualitätssicherung von Wasser an heutige Gegebenheiten anzupassen. Die umfassendste Maßnahme ist die geplante Erfassung von 18 neuen Schadstoffen, die in den Prüfkatalog für unbedenkliches Wasser aufgenommen werden. Unter anderem sieht die überarbeitete Richtlinie jetzt auch Viren, Bakterien und sogenannte endokrine Disruptoren, wie zum Beispiel Bisphenol A vor. Endokrine Disruptoren sind Wirkstoffe, die den Hormonhaushalt beeinflussen; Bisphenol A ist eine chemische Verbindung und findet sich in zahlreichen Kunststoffarten, die in Rohren, Konservendosen oder Klebstoff eingesetzt werden. Auch auf industriell genutzte Stoffe, wie perfluorierte Tenside (PFT), soll künftig geprüft werden. Hauptsächlich werden diese Tenside in der Textil- und Papierindustrie eingesetzt.

Aber nicht nur das Trinkwasser selbst steht im Fokus, sondern alle Prozesse zu seiner Herstellung und Aufbereitung sollen strenger kontrolliert werden. Ebenso ist größere Transparenz gefordert: Wasserversorger sollen künftig Informationen zur Wasserqualität leichter zugänglich machen, um das Vertrauen der EU-Bürger in ihr Wasser zu stärken.

Ein weiteres Ziel der EU ist es, die Bürger zu motivieren, mehr Wasser aus der Leitung und weniger aus Plastikflaschen zu trinken. Laut Begründung der EU-Kommission soll der Verbrauch von abgefülltem Wasser um bis zu 17 Prozent gesenkt werden. Dadurch sparen die Privathaushalte europaweit rund 600 Millionen Euro pro Jahr. Weiterhin sollen Restaurants und Kantinen ihren Gästen zukünftig Leitungswasser kostenlos zur Verfügung stellen.

BÜRGERINITIATIVE ALS AUSLÖSER

Auslöser für die Überarbeitung der Richtlinie war die europäische Bürgerinitiative „Wasser ist Menschenrecht – right2water“, die erstmalig das notwendige Quorum von einer Million Unterschriften erreichte und so die EU-Kommission zum Handeln veranlasste. Die Initiative sammelte rund 1,8 Millionen Unterschriften in allen europäischen Mitgliedsstaaten, rund 1,4 Millionen davon allein aus Deutschland. Sie fordert eine „funktionierende Wasser- und Abwasserwirtschaft“, sowie eine „ausreichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser und eine sanitäre Grundversorgung sicherzustellen“. Sauberes Wasser soll als Menschenrecht geschützt und Spekulationsgeschäfte an internationalen Märkten mit Wasser sollen unterbunden werden.

Die EU-Kommission erwartet, dass die Endverbraucher so mehr Einfluss auf ihre Wasserversorger vor Ort nehmen können: „Bessere Qualität und Transparenz machen Leitungswasser sicherer. Das Vertrauen in Leitungswasser würde sich erhöhen. Das wird nicht für die Bürger Europas, sondern auch deren Geldbörse und den Planeten gut sein“, lautet es in einer Veröffentlichung der Europäischen Kommission. Ein Großteil der Informationen zur Wasserqualität soll dafür künftig online leicht auffindbar sein. Es sollen aber auch einige Informationen den Endverbrauchern direkt mitgeteilt werden, zum Beispiel als Beilage der Jahresabrechnung.

DER WEITERE VORGANG

Damit die Richtlinie gültig wird, müssen das EU-Parlament und der Europäische Rat dem Antrag noch zustimmen. Anschließend sind die Mitgliedsstaaten angehalten, die Richtlinie umzusetzen. Dabei bleibt sie weit hinter den Forderungen der Bürgerinitiative zurück. Ob, wann und wie die Richtlinien in verbindliche nationale Gesetze umgesetzt werden, bleibt jedem Mitgliedsstaat selbst überlassen. Zwar müssen diese die EU-Kommission künftig über ihre Pläne und Änderungen im Bereich Wasseraufbereitung informieren – Strafen drohen bei Nicht-Umsetzung der Richtlinie keine.