Täglich werden Tonnen von Plastikmüll in die Weltmeere gespült. Dabei dienen oftmals Flüsse als Transportvehikel für den Abfall. Forscherteams des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der International Union for Conversation of Nature (IUCN) haben sich in unabhängigen Studien mit dem Plastikmüll in den Meeren befasst. Ziel der Untersuchungen war es, die Transportwege des Abfalls und den Anteil der einzelnen Kontinente an der Verschmutzung der Meere zu identifizieren.

Menschen in Booten bei Sonnenuntergang
Der Ganges ist einer der Flüsse, die am meisten Plastikmüll in die Weltmeere transportieren. © TonW / https://pixabay.com/de

Das Forscherteam des Helmholtz-Zentrums in Leipzig rund um Dr. Christian Schmidt hat für seine Forschung mehr als 1.300 Einzelstudien über die Verschmutzung von Flüssen, die in die Meere führen, zusammengetragen, evaluiert und zu einer Gesamtschau zusammengefasst. Insgesamt identifizierten sie zehn Flüsse, die weltweit den größten Anteil an Plastikabfällen in die Meere transportieren.

FLÜSSE TRANSPORTIEREN MILLIONEN TONNEN AN PLASTIKMÜLL

Nach Dr. Schmidts Berechnungen gelangen rund 90 Prozent des weltweiten Plastikmülls über diese großen Flusssysteme in die Meere, acht davon befinden sich in Asien, zwei in Afrika.

  • Platz 1: Als der größte Plastik-Transportfluss wurde der durch China strömende Jangtsekiang identifiziert. Tonnen von Plastikmüll trägt allein dieser Fluss durch das Land in das Südchinesische Meer.
  • Platz 2: Ihm folgt – gemessen an der Zahl des transportierten Kunststoffes – der Indus aus Pakistan, der seine schädliche Fracht ins Arabische Meer ablässt.
  • Platz 3: Ebenfalls in China verortet, ist der mehr als 4.800 Kilometer lange Gelbe Fluss. Er entspringt im Hochland von Tibet und führt in den Golf von Bohai, einem Randbereich des Gelben Meeres.
  • Platz 4 und 5: Die beiden afrikanischen Flüsse, der Nil und der Niger, verunreinigen das Mittelmeer beziehungsweise den Golf von Guinea mit Plastikpartikeln.
  • Platz 6 und 7: Der Hai He aus China und der Meghna, inklusive des Brahmaputra in    Bangladesch und des indischen Ganges, transportieren stetig Plastikmüll in den Golf von Bengalen.
  • Platz 8, 9 und 10: Der 177 Kilometer lange Perlfluss, der zum Mündungsbereich des größten Flusssystems in Südchina gehört, transportiert ebenso wie der Amur aus Russland und der Mekong aus Südostasien im Verhältnis zu den übrigen aufgelisteten Flüssen weniger Plastikabfall in die Meere, jedoch immer noch mehr als alle übrigen Flüsse auf der Welt.

Vier Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr alleine durch diese zehn Flüsse in die Meere befördert. Doch auch europäische Fließgewässer transportieren – zusammen mit zentralasiatischen Flüssen – jedes Jahr nach Schätzungen der IUCN 280.000 Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere. Wegwerfprodukte wie Wattestäbchen und Verpackungsmaterial, aber auch Fischernetze machen nach Angaben der EU-Kommission 70 Prozent des Mülls an Stränden aus. 240.000 Tonnen Mikroplastik gelangen auf diese Art und Weise alleine durch Europa und Zentralasien in die Umwelt und somit in die Lebensräume von Mensch und Tier.

FORSCHUNG ALS TEIL EINER LÖSUNG

Die Zahlen, die das Forscherteam des Helmholtz-Zentrums und die IUCN präsentieren, sind alarmierend. Sie dienen jedoch nicht nur dem Zwecke, die Problematik der Verunreinigungen der Meere durch Plastikmüll zu verdeutlichen, sondern sollen auch Teil einer Lösung sein: Wie eindeutig identifiziert wurde, gibt es einen Zusammenhang zwischen der nicht fachgerechten Entsorgung des Plastikmülls in den Einzugsgebieten der Flüsse und der Größe der Gewässer selbst.

Der Appell des Teams rund um Dr. Christian Schmidt lautet deshalb, die Menschen, die im direkten Einzugsgebiet größerer Flüsse leben, zu sensibilisieren, welche Umweltschäden eine unsachgerechte Entsorgung ihrer Abfälle – vor allem die der Plastikabfälle – hervorruft. Angefangen mit der Aufnahme des Mikroplastiks durch Meereslebewesen bis hin zur Verunreinigung des Trinkwassers. Neben der Aufklärung ist es ebenfalls notwendig, die Infrastruktur des Abfallmanagements in manchen Gegenden in Afrika und Asien zu verbessern.

Da jedoch auch Kontinente, in denen eine solche Aufklärung bereits betrieben wird und eine entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, weiterhin Anteil an dem Plastikmüll in den Weltmeeren haben, müssen hier weitere Maßnahmen getroffen werden. Einen möglichen Schritt hin zu einer sauberen Umwelt stellte die Europäische Kommission kürzlich in Form eines Verbots für bestimmte Plastikartikel vor. So soll langfristig der Verbrauch von Einwegkunststoffen reduziert werden.

Im Kampf gegen den Plastikmüll ist jedoch nicht nur die Politik gefragt. Jeder einzelne, der seinen täglichen Abfall sachgerecht entsorgt, trägt dazu bei, dass eine Plastiktüte weniger im Meer schwimmt.