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- 24.09.2018

Grenzwertig: Über den Wert von Grenzwerten

Trinkwasser muss „rein und genusstauglich“ sein. Grenzwerte für verschiedene Substanzen in der Trinkwasserverordnung sollen genau dies gewährleisten. © JackFatalist / www.pixabay.com
Trinkwasser muss „rein und genusstauglich“ sein. Grenzwerte für verschiedene Substanzen in der Trinkwasserverordnung sollen genau dies gewährleisten. © JackFatalist / www.pixabay.com

Um Städte und Dörfer mit Trinkwasser beliefern zu können, müssen Wasserbetriebe nachweisen können, dass sie die allgemeinen, mikrobiologischen, chemischen und radiologischen Anforderungen an die Qualität von Trinkwasser erfüllen. Diese sind in der Trinkwasserverordnung, die erst 2018 aktualisiert wurde, durch Grenz- und Indikatorwerte festgeschrieben. Die Verordnung ein Produkt der Zusammenarbeit von Bundesregierung und -rat und dem Bundesministerium für Gesundheit. Insgesamt sind auf diese Weise 56 Substanzen geregelt.

Allgemein gilt, dass „Trinkwasser […] so beschaffen sein [muss], dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist. Es muss rein und genusstauglich sein.“ Um diese Vorschrift zu erfüllen, müssen Trinkwasserbetriebe neben dem Besitz der geeigneten Technik für die Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung auch gewährleisten können, dass das von ihnen bereitgestellte Trinkwasser alle geltenden Grenzwerte der Trinkwasserverordnung erfüllt. Diese werden in zeitlich festgelegten Abständen durch die Trinkwasserbetriebe selbst und das Gesundheitsamt kontrolliert.

 

Wasserversorgungsbetriebe müssen handeln

Falls die Wasserversorgungsbetriebe eine grenzwertüberschreitende Belastung des Rohwassers feststellen, müssen sie dafür Sorge tragen, dass der Schadstoff durch geeignete Aufbereitungstechnologien entfernt wird.

Bei mikrobiologischer Belastung muss das Rohwasser gegebenenfalls desinfiziert werden, ehe es an den Verbraucher weitergeleitet wird. Das Gesundheitsamt stellt für die Trinkwasserbetriebe die übergeordnete Kontroll- und Beratungsinstanz dar. Denn im Zweifel entscheidet das Gesundheitsamt, ob der Betrieb bei einer Überschreitung der mikrobiologischen Grenzwerte entsprechende Maßnahmen ergreifen muss oder ob es die Nichteinhaltung der Grenzwerte für eine gewisse Zeit toleriert, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. Es ist ein schmaler Grat zwischen der strikten Kontrolle und Einhaltung von Grenzwerten und der öffentlichen Sicherheit, die durch eine Unterbrechung der Versorgung gefährdet werden kann. Ist ein Wasserversorger jedoch bei Verstoß gegen einzelne mikrobiologische Parameterwerte nicht in der Lage, den Betrieb aus eigener Kraft teilweise oder durch Desinfektionsmaßnahmen am Laufen zu halten, muss die Wasserversorgung notfalls durch andere Wasserbetriebe aufrechterhalten werden.

 

Unbekannte Substanzen

Durch die regelmäßige Überprüfung des Rohwassers durch die Wasserversorgungsbetriebe und das Gesundheitsamt, fallen in Proben bisweilen Substanzen auf, die nicht in der Trinkwasserverordnung aufgeführt, und somit auch nicht durch Grenzwerte geregelt sind, wie es beispielsweise bei Mikroplastik der Fall ist. Auch hier gilt es abzuwägen, ob diese Verschmutzungen eine Gefährdung für die menschliche Gesundheit darstellen können oder nicht. Das Gesundheitsamt legt daraufhin fest, bis zu welchen Konzentrationen in welchem Zeitraum diese im Trinkwasser enthalten sein dürfen. Bis Langzeitstudien existieren, kann das Gesundheitsamt nur mutmaßen, welche Auswirkungen die Substanzen und Partikel auf den menschlichen Organismus haben könnten.

 

Erfüllung von mikrobiologischen Anforderungen

Ein bereits festgelegter und zu überprüfender Parameter ist die Konzentration von Mikroorganismen und somit von potenziellen Krankheitserregern im Trinkwasser. Insgesamt gilt, dass „Konzentrationen von Mikroorganismen, die das Trinkwasser verunreinigen oder seine Beschaffenheit nachteilig beeinflussen können, so niedrig gehalten werden sollen, wie dies nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik mit vertretbarem Aufwand unter Berücksichtigung von Einzelfällen möglich ist.“

So darf die Konzentration von Escherichia coli – einem Darmbakterium – bei 100 ml Rohwasser nicht über 0 KBE sein. Genauso verhält es sich mit den Enterokokken, die beispielsweise Harninfekte auslösen können. Ist das Rohwasser für die Abgabe in verschlossenen Behältern bestimmt, gelten noch strengere Grenzwerte: In 250 ml Wasser darf kein einziges Bakterium zu finden sein.

 

Erfüllung von chemischen und radiologischen Anforderungen

Die im Rohwasser befindlichen chemischen Substanzen sind ebenfalls einer Regelung durch Grenzwerte unterworfen. Sie reichern sich durch natürliche Umstände, mittlerweile auch vermehrt durch die menschliche Hand, in Flüssen, Talsperren, Quellen und im Grundwasser an. Geregelt sind beispielsweise die Substanzen Benzol, Bor, Cyanid, Fluorid, Nitrat und einige Pflanzenschutzmittel. Das „Trinkwasser darf [darüber hinaus] keine Stoffe aufweisen, die ein oder mehrere Radionuklide enthalten, deren Aktivität oder Konzentration unter dem Gesichtspunkt des Strahlenschutzes nicht außer Acht gelassen werden kann.“ Auch hier gibt es Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen. Für hormonelle Substanzen hingegen sind in der Trinkwasserverordnung noch keine Grenzwerte definiert worden.

 

Grenzwerte: Wissenschaft der Grauzone

Da sich jedoch immer mehr Substanzen im deutschen Trinkwasser finden, für die bisher keine Grenzwerte definiert worden sind, wird es immer schwerer, abzuwägen, bis zu welchem Grad eine Verunreinigung des Rohwassers tolerierbar ist.

Dies macht Grenzwerte zu einer Wissenschaft der Grauzone: Sie sind als Kontrollinstrument unbedingt notwendig, um das Risiko einer Gesundheitsgefährdung möglichst klein zu halten. Doch ebenso ist es unumgänglich, sie immer wieder zu hinterfragen, zu überprüfen und neu zu definieren. Darüber hinaus muss geprüft und diskutiert werden, ob für gewisse Schadstoffe, wie beispielsweise Medikamentenrückstände, Grenzwerte festgelegt werden.

Quellen:
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/uba_rund_um_das_trinkwasser_ratgeber_web_0.pdf
https://www.dvgw.de/themen/wasser/trinkwasserverordnung/abschnitt-2/.
https://www.dvgw.de/themen/wasser/trinkwasserverordnung/anlage-1-2/.
https://www.dvgw.de/themen/wasser/trinkwasserverordnung/anlage-4/.
https://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/lebensmittel/trinkwasser/trinkwasser.html.
- 24.09.2018

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