blog
- 29.08.2018

Hormone im Trinkwasser – Folgen für Mensch und Tier

Alarmierend: Detaillierte Studien beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Geschlechtsumkehr von Fröschen und den Rückständen von Hormonen aus der Antibabypille gibt. © Pixabay / www.pixabay.com
Alarmierend: Detaillierte Studien beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Geschlechtsumkehr von Fröschen und den Rückständen von Hormonen aus der Antibabypille gibt. © Pixabay / www.pixabay.com

Das Problem mit dem Wasserzyklus

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als fünf Millionen Kubikmeter Trinkwasser gewonnen. Die genauen Mengen variieren, werden aber von Jahr zu Jahr weniger. Hauptgrund dafür ist der sinkende individuelle Wasserverbrauch. Der Großteil unseres Trinkwassers, rund 61 Prozent, ist Grundwasser. Weitere zwölf Prozent stammen aus Seen und Talsperren, 8,6 Prozent aus Uferfiltrat und lediglich 8,4 Prozent werden aus Quellwasser gewonnen. Diese verschiedenen Wasserarten können unerwünschte Fremdstoffe, wie beispielsweise Hormone enthalten, die aufgrund einer unvollständigen Reinigung des Abwassers in Kläranlagen in die Gewässer gelangen können.

Grundsätzlich gilt die Regel: Je häufiger Wasser den Zyklus von Entnahme, Konsum und Aufbereitung durchmacht, desto wahrscheinlicher ist es, dass es mit Medikamentenrückständen, wie beispielsweise Hormonen, belastet ist.

Hormone sind schwer abbaubare Substanzen, die, ebenso wie Mikroplastik, nur unvollständig aus dem Wasser entfernt werden. Die Mikroorganismen, die im Klärprozess einen Großteil der Fremdsubstanzen im Abwasser abbauen, können die medikamentösen Substanzen nur schwer zur Gänze eliminieren. Und so gelangen diese oftmals in die Gewässer und in unser Trinkwasser.

 

Amphibien und Fische sind bereits betroffen

Hormone in Gewässern stellen – aufgrund ihrer direkten Wirksamkeit im organischen Haushalt – eine große Gefahr für Mensch und Tier dar. In der Gruppe der hormonellen Rückstände sind vor allem die Stoffe dominierend, die vom Verhütungsmittel Nummer 1 der Deutschen ausgehen: die Antibabypille.

So beweisen Studien, dass es einen Zusammenhang zwischen der Geschlechtsumkehr von Fröschen und den Rückständen von Hormonen aus dem Medikament in Gewässern gibt. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin verglich bei drei Amphibienarten die Wirkungen des synthetisch hergestellten Pillenöstrogens Ethinylestradiol (EE2) auf die Geschlechtsentwicklung. Die Studie zeigt, dass die in Flüssen und Seen gefundenen Rückstände ausreichen, um eine sogenannte „Verweiblichung“ der männlichen Tiere herbeizuführen. Eine Tatsache, die fatale Folgen für das Fortbestehen dieser Tierart haben kann, bis hin zum Aussterben.

Alle Probeentnahmen, die EE2 im Trinkwasser bestätigen, sind auf den Einfluss des Menschen zurückführbar. Der Prozess ist simpel: Die Pille wird geschluckt und ein Teil mit dem Urin wieder ausgeschieden. Das Wasser aus der Klospülung läuft dann in die Kläranlage, in der das künstliche Östrogen (Hormon) nur unvollständig abgebaut werden kann. Anschließend gelangt es in Seen, Flüsse und andere Gewässer.

 

Erste Wasserversorger reagieren​​​​​​​

Um eine weitere Anreicherung der Gewässer mit Spurenstoffen zu verhindern, gehen Wasserversorger mittlerweile verstärkt gegen die Problematik der Verunreinigung der Gewässer mit Spurenstoffen vor. So hielt der Werkausschuss für den Entwässerungsbetrieb im bayerischen Erlangen im November 2017 offiziell fest, dass „das Vorkommen von Spurenstoffen (Arzneistoffe, Pflanzenbehandlungsmittel, Substanzen aus Haushalt und Industrie) im Wasserkreislauf ein zentrales Thema des Gewässerschutzes geworden“ ist.

 

Möglichkeiten der Reinigung ​​​​​​​

Um diese Spurenstoffe möglichst komplett zu entfernen, gibt es unterschiedliche Aufbereitungsverfahren wie Flockung, Sedimentation und biologische Reinigung, beispielsweise durch Aktivkohle. Das Verfahren mit der granulierten Aktivkohle (GAK) befindet sich derzeit unter anderem beim Erlanger Entwässerungsbetrieb in der Entwicklungsphase. Großtechnische Anlagen aus Nordrhein-Westfalen, die diesen Prozess ebenfalls nutzen, melden bereits positive Ergebnisse.

Die granulierte Aktivkohle soll dabei auf biologische Weise vor allem die pharmazeutischen Substanzen aus dem Wasser entfernen. Bei der Reinigung des Wassers werden in der Regel mehrere Aktivkohlefilter hintereinander installiert, um die Schadstoffe vollends aus dem Wasserkreislauf zu eliminieren. Da diese Reinigungsmaßnahme auf einem biologischen Verfahren basiert, wird zusätzlich verhindert, dass mit dem Klärprozess chemische Substanzen eingesetzt werden müssen.

Der Erlanger Entwässerungsbetrieb ist einer von 18 Wasserversorgungsbetrieben in Deutschland, die erste Verfahren entwickeln und anwenden, um Hormone nachhaltig aus dem Wasser zu entfernen. Neben einmaligen Umrüstungskosten, rechnet das Klärwerk mit Mehrkosten von 0,03 Euro pro Kubikmeter Wasser.

 

Fazit

Welche exakten Auswirkungen die kontinuierliche Einnahme von Hormonen durch das Trinkwasser auf den Menschen hat, ist wissenschaftlich noch nicht vollends belegt. Wie hoch die „tägliche Dosis“ an verunreinigtem Trinkwasser sein darf, ohne gesundheitsschädlich zu sein, ist also noch unklar. Die Wirkung auf die Artenvielfalt in deutschen Flüssen und Seen hingegen ist inzwischen nachgewiesen.

Dort sind sowohl der Gesetzgeber als auch die Klärbetriebe selbst gefragt. Die Trinkwasserverordnung bedarf einer Aktualisierung bezüglich der Aufnahme von neuen Grenzwerten für pharmazeutische Stoffe (mehr dazu lesen Sie in dem Blogbeitrag: Hormonelle Rückstände – Grenzwerte der Trinkwasserverordnung). Zudem müssen die Wasserversorger weiter an neuen Verfahren arbeiten, um die schädlichen Substanzen nachhaltig aus dem Wasser zu entfernen.

Nichtsdestotrotz hat das Trinkwasser in Deutschland im europäischen Vergleich eine gute Qualität. Durch neue Regelungen und optimierte Klärverfahren könnte es jedoch deutlich besser werden.

Quellen:
Statistisches Bundesamt, Fachserie 19, Reihe 2.1.1; Öffentliche Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
https://www.donau-carbon.com/Downloads/abwasser.aspx
http://www.igb-berlin.de/news/bislang-unbemerkte-geschlechtsumkehr-bei-amphibien-durch-pillen-oestrogen; Stand: 14.12.2017
https://www.buzer.de/s1.htm?g=TrinkwV%2B2001&a=1; Stand 11.12.17; 1 
https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/TrinkwV.pdfTrinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) neugefasst B. v. 10.03.2016 BGBl. I S. 459; zuletzt geändert durch Artikel 2 G. v. 17.07.2017 BGBl. I S. 2615; Geltung ab 01.01.2003; FNA: 2126-13-1
https://mineralwasser.com/fileadmin/pdf/0612-MTVO-7.pdf ; Stand: 18.12.2017
http://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/endocrine-active-substances
http://www.igb-berlin.de/news/bislang-unbemerkte-geschlechtsumkehr-bei-amphibien-durch-pillen-oestrogen; Stand: 14.12.2017
- 29.08.2018

Neugierig?

Sie möchten mehr über ICon und die ICon-Leistungen erfahren?
Nehmen Sie Kontakt zu unserer Zentrale auf.

ICon GmbH & Co. KG

Hanauer Straße 10, 75181 Pforzheim, Deutschland/Germany

office@icon-h2o.com

(+49) 7231 39761 0

  __  __   _             __  __   _____   _____
| \/ | | |_ _ _ | \/ | |___ / |__ /
| |\/| | | __| | | | | | |\/| | |_ \ / /
| | | | | |_ | |_| | | | | | ___) | / /_
|_| |_| \__| \__, | |_| |_| |____/ /____|
|___/
Enter the code depicted in ASCII art style.

Über ICON

Die ICon GmbH & Co. KG ist ein Spezialist der Wasseraufbereitung. Innovative Filtertechnologien, tiefgreifendes Know-how in der Konstruktion von Trinkwassersystemen und der Digitalisierung am Point of Use sind Kernkompetenzen des internationalen jungen Unternehmen.