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- 02.07.2018

EuGH-Urteil: Deutschlands Gewässer sind zu stark mit Nitrat belastet

Trotz strenger Vorgaben werden in Deutschland häufig Felder überdüngt. Die Folge: Nitrat belastet unser Grundwasser und die Trinkwasserbestände. © Pixabay / www.pixabay.com
Trotz strenger Vorgaben werden in Deutschland häufig Felder überdüngt. Die Folge: Nitrat belastet unser Grundwasser und die Trinkwasserbestände. © Pixabay / www.pixabay.com

Bereits 2016 hat die Europäische Kommission am Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg Klage gegen Deutschland eingereicht, weil die Nitratwerte im deutschen Grundwasser die geltenden EU-Richtlinien überschritten haben. Der Klage gingen umfassende Messungen voraus, die im Zeitraum zwischen 2012 und 2015 an unterschiedlichen Orten in Deutschland vorgenommen wurden. Das Ergebnis: An 28 Prozent der Messstellen wurde der bestehende EU-Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten. Nun hat am 21.06.2018 der EuGH der Klage zugestimmt und Deutschland wegen der erhöhten Nitratwerte verurteilt. Die Bundesrepublik hätte stärkere Maßnahmen treffen müssen.

Nitrat: Folgen für Mensch und Natur

Die Ursache für die hohe Nitratbelastung liegt in der Landwirtschaft: Um die Pflanzen auf den Feldern optimal mit Nährstoffen zu versorgen, werden Düngemittel nicht selten überdosiert. Zudem fällt häufig durch die Massentierhaltung mehr Düngemittel an, als auf den zugehörigen landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgebracht werden darf. Aus Mangel an ausreichend Speichermöglichkeit, landet die Gülle trotzdem auf den Feldern. Die daraus resultierende Überdüngung kann für Mensch und Natur fatale Folgen haben.

Nitrate, genauer die daraus verstoffwechselten Nitrite, können im menschlichen Körper zu Durchblutungsstörungen führen. Die Sauerstoffversorgung der Zellen wird gehemmt, was vor allem für Säuglinge bedrohlich werden kann. Darüber hinaus können in Zusammenspiel mit der Magensäure Nitrite in krebserregende Nitrosamine umgewandelt werden.

Die direkte Gefahr für den Menschen ist gering, da Trinkwasser selten die Grenzwerte für diese Stoffe überschreitet. Betroffen ist in erster Linie das Grundwasser, aus dem jedoch über 60 Prozent unseres Leitungswassers stammen. Ist der Nitratwert im Grundwasser zu hoch, sind Filterungs- und Verdünnungsprozesse nötig, um es genießbar zu machen. Die Alternative sind umfassende Bohrungsmaßnahmen, um das Wasser aus tieferen – noch unbelasteten – Quellen zu schöpfen. Beides teure Unterfangen für die Wasserwerke, welche die Kosten auf ihre Kunden umschlagen. Die Wasserpreise steigen.

Nicht nur der Mensch ist betroffen. Die Überdüngung führt unter anderem zu einem erhöhten Algenwachstum in den betroffenen Gewässern. Diese sterben irgendwann ab. Die Zersetzung des Pflanzenmaterials verbraucht Sauerstoff, der dann anderen Lebewesen fehlt. Erst im Mai kam es im Hamburger Hafen zu einem umfangreichen Fischsterben, das auf Sauerstoffmangel im Wasser zurückzuführen war.

Neuregelung wirkungslos?

Unterdessen hat die Bundesregierung 2017 eine Verschärfung der Düngeregeln für Bauern beschlossen. Teil dieser neuen Richtlinien sind unter anderem eine niedrigere Stickstoff-Obergrenze, eine Ausweitung der Düngeverbote und größere Abstände zwischen Ausbringungsfläche sowie Gewässern. Seit dem 1. Januar 2018 müssen Landwirte zudem genau Buch darüber führen, wieviel Düngemittel sie einsetzen.

Für den Deutsche Bauernverband (DBV) ist das Problem damit vom Tisch: Die Verurteilung beziehe sich nur auf das alte Düngemittelrecht. Die Reform aus dem Jahr 2017 sei nicht betroffen. Mittlerweile sei „Deutschland im Sinne des Gewässerschutzes gut aufgestellt“, urteilt der DBV.

Dr. Dirk Zimmermann, Spezialist für Nachhaltige Landwirtschaft bei Greenpeace, sieht das anders. Vor allem die Massentierhaltung betrachtet er als ungelöstes Problem für die hohe Nitratbelastung. Nur, wenn der Tierbestand zurückgenommen wird, lasse sich die Überdüngung in den Griff bekommen. Die neue Verordnung gehe da noch nicht weit genug.

Unterstützung bekommt der Umweltschützer aus dem Kreise der Wissenschaft. Laut einer aktuellen Studie vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) führe die neue Düngeverordnung zu „keiner nennenswerten Reduzierung der Stickstoff-Überdüngung“.

Der BDEW hatte zuvor Forscher der Universität Kiel unter der Leitung von Agrar-Professor Friedhelm Taube den Auftrag erteilt zu prüfen, inwieweit die neuen Vorgaben zum gewünschten Erfolg führen.

Das Ergebnis: Die Richtlinien von 2017 für den Einsatz von Düngemitteln seien nicht nur zu komplex und im Ganzen wirkungslos, sondern würden darüber hinaus die Situation sogar noch verschärfen, da Landwirte bei gleichem Ertragswert mehr Dünger auf den Feldern ausbringen könnten als zuvor.

Ob Taube und sein Team mit ihrer Prognose Recht behalten oder der DBV sich zurecht zurücklehnt, wird sich erst im Jahr 2020 erweisen. Denn dann steht die nächste Nitratmessung für das deutsche Grundwasser an.

Quellen: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europaeischer-gerichtshof-verurteilt-deutschland-nitrat-grundwasser-1.4025538
https://www.n-tv.de/politik/EuGH-faellt-Nitrat-Urteil-gegen-Deutschland-article20491040.html
https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-06/nitrat-urteil-eugh-grenzwerte-trinkwasser
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/nitrat-im-grundwasser-ein-urteil-mit-ungewissen-auswirkungen/22718886.html
https://www.youtube.com/watch?v=l6S7z_Ujf4M
https://www.youtube.com/watch?v=kwoyQC24mTM
https://www.abendblatt.de/hamburg/article214491147/Umweltbehoerde-befuerchtet-grosses-Fischsterben-in-Hamburg.html
https://www.tagesschau.de/inland/nitrat-eugh-101.html
- 02.07.2018

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