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- 30.04.2018

Die Seuche des 21. Jahrhunderts – Das Problem mit der Plastikflasche

Plastik als „zivilisatorische Grundlast“: Unmengen Plastikflaschen und –abfälle gelangen in die Natur statt in den Recyclingkreislauf. Im Pazifik treibt gar ein „Plastikstrudel“ mit der vierfachen Fläche der Bundesrepublik. © Placebo365, istock / www.istockphoto.com
Plastik als „zivilisatorische Grundlast“: Unmengen Plastikflaschen und –abfälle gelangen in die Natur statt in den Recyclingkreislauf. Im Pazifik treibt gar ein „Plastikstrudel“ mit der vierfachen Fläche der Bundesrepublik. © Placebo365, istock / www.istockphoto.com

Erfunden in den späten 1960er-Jahren, startet die PET-Flasche ihren Siegeszug 1990 in Deutschland. Eingeführt durch einen großen Getränkehersteller wird sie schon bald für Soft-Drinks, Fruchtsäfte und Wasser verwendet. Die komfortable und einfache Nutzung machen die Plastikflasche dabei zu einem praktischen Wegbegleiter. Nur leider länger als gewollt: Laut dem Bundesministerium für Umwelt braucht eine Plastikflasche rund 450 Jahre bis sie vollends zersetzt ist. Egal ob auf einer Müllhalde oder arglos in die Natur geworfen, eine Plastikflasche bleibt dem Ökosystem für lange Zeit erhalten.
Der Kunststoff wird hauptsächlich durch das UV-Licht der Sonne über die Jahre zersetzt, bis nur noch sandkorngroße Partikel übrig sind. Sind die Partikel kleiner als fünf Millimeter, spricht man von Mikroplastik. Laut einer Erhebung des WWF schwimmen in jedem Quadratkilometer Meer bereits bis zu 46.000 winzige Plastikteile. Auch in deutschen Binnengewässern findet sich Plastik. Dazu wurden in einer länderübergreifenden Pilotstudie an 52 Messstellen Wasserproben entnommen. Unter anderem bei Gewässern, die von Wasserwerken auch für die Trinkwasserentnahme genutzt werden. „Damit ist Mikroplastik am heimischen Wasserhahn angekommen“, betont Dr. Monique Bissen, Gründerin der ICon GmbH. Die Forscher fanden in Summe mehr als 4.300 kleine Plastikteilchen, weshalb sie befürchten, dass von einer „zivilisatorischen Grundlast ausgegangen werden muss“. Die Auswirkungen der kleinen Plastikteile auf Flora und Fauna sind größtenteils unbekannt; die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen.

Der Weg der Plastikflasche im Wertstoffkreislauf


Rund zwei Drittel aller genutzten Wasserflaschen bestehen aus PET. Laut Angabe des zuständigen Industrieverbands und des Umweltbundesamtes werden dabei etwa 96 Prozent der Plastikflaschen in Deutschland in den Wertstoffkreislauf zurückgebracht. Mit 0,15 Euro bei Mehrwegflaschen bis 0,25 Euro bei Einwegflaschen ist der Pfandpreis vergleichsweise hoch. In Estland und Litauen etwa beträgt der Pfandpreis 0,10 Euro, in den Niederlanden werden nur bei Flaschen mit einem Inhalt von 1 Liter oder mehr 0,25 Euro Pfand pro Flasche erhoben. Das Pfand auf Glasflaschen in Europa wird flächendeckend erhoben. Pfand auf Plastikflaschen ist hingegen in vielen Ländern noch unbekannt.

In Deutschland werden laut Angaben des zuständigen Industrieverbands 26 Prozent der Plastikabfälle wieder zu neuen Flaschen. 23 Prozent werden zu Fasern, etwa für Polyesterkleidung, knapp 22 Prozent zu Folien, weitere 20 Prozent gehen ins Ausland. Die restlichen neun Prozent werden verbrannt. Die Fülle an Plastikprodukten ist nahezu grenzenlos. Dabei fällt der Vergleich mit anderen Ländern schwer, da jedes Land unterschiedliche Kriterien an ihr Recyclingsystem stellt. So gibt Schweden an, dass 99 Prozent ihrer Kunststoffe recycelt werden. Allerdings zählt in dem skandinavischen Staat auch das Verbrennen von Müll zu Recycling. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass tatsächlich nur die Hälfte der Kunststoffe recycelt wird. In den USA ist es rund ein Drittel, das aufbereitet wird. Neue Produkte wie Ablagekörbe, Sammelordner fürs Büro, Feuchttücher, Bettenfüllungen, Mehrwegtaschen, Unterwäsche oder Kofferraumauskleidungen werden dazu aus recyceltem PET hergestellt. Für Polyester werden die zerkleinerten Plastikstücke eingeschmolzen, eingefärbt und zu dünnen Fäden verarbeitet. Rund 16 Flaschen werden für einen herkömmlichen Fleecepullover benötigt.

Wie Mikroplastik in die Nahrungskette gelangt


Auch ohne ein „Umweltsünder“ zu sein, gelangen Plastikbestandteile in die Umwelt. So verliert Polyesterkleidung in der Waschmaschine kleine Fasern, die ungefiltert über das Abwasser in den Klärwerken in Flüssen und Seen landen. Eine Studie der International Union for Conservation of Nature aus dem vergangenen Jahr schätzt, dass 35 Prozent des Mikroplastiks im Meer von synthetischer Kleidung stammt, weitere 28 Prozent aus dem Reifenabrieb in Städten. Etwa zwei Prozent stammen aus dem Kosmetikbereich, wie Duschgel und Cremes. Letztlich treibt Mikroplastik im Wasser wie feiner Sand umher, den insbesondere Kleinstlebewesen aufnehmen. So gelangen diese Teilchen in die Nahrungskette, an deren Ende niemand geringeres als der Mensch steht. Die recycelte Plastikflasche landet am Ende wieder auf dem Tisch: diesmal als Hauptgang auf dem Teller.

Quellen:
http://www.t-online.de/leben/essen-und-trinken/id_49222780/ist-wasser-aus-plastikflaschen-ungesund-.html
http://www.bento.de/art/plastik-im-meer-benjamin-von-wong-kaempft-mit-meerjungfrauen-gegen-umweltverschmutzung-1106687/
https://utopia.de/ratgeber/ueberraschende-quellen-verstecktes-mikroplastik
https://www1.wdr.de/wissen/technik/pet-recycling-112.html
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-03/mikroplastik-fluesse-belastung-umwelt-studie#box-meeresverschmutzung-1-tab
https://www1.wdr.de/wissen/natur/mikroplastik_hochwasser_100.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fluesse-in-deutschland-mikroplastik-an-allen-messstellen-nachgewiesen-a-1198230.html
https://wertstoffblog.de/2015/08/18/international-recycelt-die-welt-oder-eben-nicht/
Über die Haltbarkeit von Plastikflaschen:
https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/verrottet-plastik-gar-nicht-nur-sehr-langsam
https://www.focus.de/gesundheit/videos/aepfel-bananen-chipstueten-wenige-stunden-bis-500-jahre-so-lange-halten-ihre-lebensmittelreste_id_5539612.html
http://www.zeit.de/2015/26/plastikmuell-nordsee-recycling-umweltschutz/seite-2
- 30.04.2018

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